Vietnam will zehn global konkurrenzfähige Kultur- und Kulturerbe-Reiseziele ...
Vietnam will zehn global konkurrenzfähige Kultur- und Kulturerbe-Reiseziele entwickeln
Vietnam hat eine neue Strategie für die auswärtige Kulturarbeit beschlossen, in der Tourismus zu den zentralen Instrumenten des internationalen Kulturaustauschs gehört. Mit dem Beschluss 1306/QD-TTg setzt sich die Regierung das Ziel, bis 2030 zehn Kultur- und Kulturerbe-Reiseziele zu nationalen Marken mit globaler Wettbewerbsfähigkeit zu entwickeln. Das Regierungsportal veröffentlichte die Entscheidung am 21. Juli 2026. Sie gilt für den Zeitraum 2026 bis 2030 und enthält eine langfristige Perspektive bis 2045.
Die Zahl zehn ist ein Entwicklungsziel und keine neu veröffentlichte Reiseroute. Der Beschluss nennt keine Orte, bewertet bestehende Welterbestätten nicht neu und bestätigt keine konkreten Bauvorhaben an einzelnen Attraktionen. Ministerien, Provinzen und Kultureinrichtungen müssen den nationalen Rahmen erst in Programme, Budgets und örtliche Angebote übersetzen. Reisende sollten die Meldung deshalb nicht als Liste von zehn bereits heute besuchsfertigen Zielen verstehen.
Weitere Vorgaben zeigen, welche Reiseerlebnisse künftig entstehen könnten. Bis 2030 sollen mindestens fünf angesehene internationale Kunstfestivals mit klarer lokaler Identität aufgebaut und nachhaltig betrieben werden. Vietnam strebt außerdem mindestens fünf zusätzliche, von der UNESCO oder anderen internationalen Organisationen anerkannte Stätten oder Kulturtitel, fünf bedeutende internationale Auszeichnungen und ein bis drei neue vietnamesische Kulturzentren im Ausland an. Film, darstellende Kunst, Kulturtourismus und Kulturerbe sind ausdrücklich priorisierte Bereiche.
Für Besucher könnte eine bessere Vermittlung wichtiger sein als zusätzliche Werbung. Die Strategie verlangt Fortbildung zu künstlicher Intelligenz, Big Data, virtueller und erweiterter Realität, multimedialer Kommunikation, digitaler Kulturverwaltung, geistigem Eigentum und Veranstaltungsmanagement. Sinnvoll eingesetzt, können diese Werkzeuge mehrsprachige Informationen, digitale Führungen und leichter zugängliche Geschichten ermöglichen. Denkmäler, Handwerk, Küche, Musik und lokale Gemeinschaften ließen sich dadurch verständlicher miteinander verbinden. Kleinere Traditionen könnten sichtbarer werden, ohne dass jeder Ort zur Großinszenierung wird.
Die Festival- und Kulturerbeziele können neue Reisegründe außerhalb der bekannten Stadtrouten schaffen. Ein lokal verankertes Kunstfestival kann Aufenthalte verlängern, Künstler und Handwerker unterstützen und Tourismuseinnahmen breiter verteilen. Internationale Anerkennung erhöht häufig Aufmerksamkeit und Schutzbereitschaft. Sie kann jedoch auch größere Besuchermengen, übermäßige Vermarktung von Souvenirs und Belastungen empfindlicher Orte auslösen. Entscheidend werden Besucherobergrenzen, die Beteiligung der Bevölkerung und der Schutz der beworbenen kulturellen Praktiken sein.
Der Beschluss ändert weder aktuelle Öffnungszeiten und Eintrittspreise noch Visa- oder Zugangsregeln. Zusammen mit der Strategie wurde kein Kalender für die fünf Festivals und keine Vorauswahl der zehn Reiseziele veröffentlicht. Wer eine Reise plant, sollte weiterhin die offizielle Seite jeder Stätte oder Veranstaltung prüfen. Behauptungen, ein bestimmter Ort sei bereits ausgewählt, sind ohne Bestätigung einer zuständigen Behörde mit Vorsicht zu behandeln. Kurzfristige Reiseentscheidungen lassen sich aus dem Strategiepapier nicht ableiten.
Die Vision für 2045 ist umfassender. Vietnam will zu den führenden Kultur- und Kreativzentren Asiens gehören, mindestens 15 weitere angesehene internationale Auszeichnungen und 15 zusätzliche international anerkannte Kulturerbetitel erreichen sowie mindestens fünf weitere Kulturzentren im Ausland einrichten. Vorgesehen ist auch mindestens eine Veranstaltung von globalem Format, etwa eine Welt- oder Fachausstellung oder ein hochrangiges Kultur- oder Sportereignis. Im Global Soft Power Index strebt das Land einen Platz unter den besten drei ASEAN-Staaten und den besten 30 weltweit an.
Für Reisende lautet die praktische Botschaft: Die Entwicklung ist vielversprechend, aber schrittweise. In den nächsten vier Jahren lohnt es sich, auf offiziell benannte Projekte, Festivalkalender und verbesserte Vermittlungsangebote zu achten. Gemeinschaftlich organisierte Touren, die Einhaltung von Schutzregeln, eine vorherige Erlaubnis für Fotos von Zeremonien oder Handwerkern und direkte Ausgaben bei lokalen Führern und Produzenten unterstützen eine verantwortungsvolle Umsetzung. Die Strategie gibt die Richtung vor; die Qualität jedes Erlebnisses entscheidet sich vor Ort.